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Enstpannung für Eltern – Der Ohrensessel

Ohrensessel verbinden manche Menschen bis heute mit Großmüttern, die neben dem Kachelofen saßen, strickten und eindösten. Der Ohrensessel war einst ein Privileg. Dieses musste man sich verdienen. Heutzutage ist der Ohrensessel ein charmantes Möbelstück. Es fühlt sich auch inmitten einer Einrichtung mit Designermöbeln wohl. Der Platz am Kamin oder vor einer Bücherwand ist beliebt.

Die Optik ist geblieben

Doch das Image des Ohrensessels wurde poliert. Diese Sesselform ist durch zwei seitliche Ausstülpungen an der hochgezogenen Lehne gekennzeichnet. Diese werden Ohren genannt, weil sie etwa auf Ohrenhöhe sitzen. Auch optisch wirken sie wie Ohren. Daher nennt man diese Sesselart gelegentlich “Ohrenbackensessel”. Der im Sessel sitzende Mensch kann seinen Kopf an die seitlichen Stützen lehnen und ein Nickerchen machen.

Ein Ohrensessel steht für Sitzkomfort. Er ist meistens bequem gepolstert. Die hohe Lehne stützt den Rücken auf ganzer Strecke. Beim Einschlafen kann der Kopf nicht nach vorne sinken oder seitlich abknicken. Um der Bequemlichkeit noch eins draufzusetzen, kann zu den meisten Ohrensesseln ein gepolsterter Hocker im selben Dessin gekauft werden. Darauf können müde Zeitgenossen die Beine ablegen.

Vom klassischen, mit Leder bezogenen Ohrensessel im englischen Chesterfield-Stil bis zu modernen Varianten mit buntgemusterten Bezügen reicht die Palette der Angebote. Es finden sich Ohrensessel mit mehr oder weniger breiten Sitzflächen, mehr oder weniger hohen Armlehnen und in allen Farben der Farbpalette. Bei manchem Modell sind die Ohren sehr ausgeprägt, bei anderen nur angedeutet.

Manche Ohrensessel haben ein separates Kopfpolster, andere nicht. Bei manchen befinden sich an der inneren Rückenlehne Zierknöpfe, bei anderen nicht. Der Grad der designerischen Modernität variiert. Der Klassiker unter den Sesseln ist wandelbarer als mancher so denkt. Auch die Technik hat bei manchem Ohrensessel Einzug gehalten. Einige Vertreter dieser Sessel-Spezies bieten eine Relax-Funktion bzw. eine elektrisch gesteuerte Aufstehhilfe. Das hätten Großmütter von früher sehr zu schätzen gewusst.

Bequemlichkeit ist Trumpf

Der Ohrensessel ist für viele Menschen der Inbegriff der Bequemlichkeit. Manche Zeitgenossen verwechseln das mit Biederkeit und Spießigkeit. Das wird den Ohrensessel nicht aus der Bahn werfen. Er bleibt sich im Wesentlichen treu und weiß sich weiterhin wertgeschätzt. Die Briten nennen den Ohrensessel einen “wing chair” – einen Sessel mit Flügeln. Tatsächlich kann man im “wing chair” wie auf sanften Engelsflügeln in den Schlummer gleiten.

Auch unter jungen Menschen finden sich Menschen, die dem Computerzeitalter etwas Gemütlichkeit entgegensetzen möchten. Wer den ganzen Tag berufshalber auf unbequemen Schreibtischstühlen am PC sitzen muss, schätzt es, sich abends in bequemen Sessels zu räkeln. Dazu eignen sich besonders die XXL-Mega-Sessel. Erschöpfte können ihr müdes Haupt in die Polster kuscheln und die interaktive Welt über einem guten Buch vergessen.

Nirgendwo telefoniert es sich entspannter als im Ohrensessel. Ein Golden Retriever macht es sich gerne neben dem XXL-Ohrensessel bequem, sofern er nicht seinen Schlafplatz darin wählt. Manche Mega-Ohrensesel eignen sich zum Kuscheln für zwei Personen. Der Ohrensessel kann ein wahrhaft königlicher Thron sein, den der Eigentümer mit Händen und Füßen verteidigen muss. Ohrensessel sind oft dem Familienoberhaupt vorbehalten.

Daher kaufen sich Töchter des Hauses gerne einen eigenen Rattan-Ohrensessel mit weißen Polstern. Leseratten, Musikfans und Kaminliebhaber lieben den Ohrensessel wegen seiner Bequemlichkeit. In fast jedem Haus findet sich eine Ecke, wo ein schönes Unikat einen Platz finden könnte. Und was fällt Gästen als erstes ins Auge? Natürlich die schöne Kaminecke mit dem einladenden Ohrenbackensessel. Die Zeitschrift, die aufgeschlagen auf dem dazu gehörenden Hocker liegt, verrät spontanen Besuchern, dass der Ohrensessel nicht nur ein Dekorationsobjekt ist.

Ein Sessel mit langer Geschichte

Schaukelstühle und Ohrensessel repräsentieren für viele die “gute alte Zeit”. Wann der erste Ohrenbackensessel gefertigt wurde, weiß heute niemand mehr. Vielleicht war der erste Ohrenbackensessel ein Thronsessel. Die Geschichtsforschung kann zwar eine Chaiselongue dem Rokoko-Zeitalter, einen Clubsessel dem Art Déco oder einen Cocktailsessel den 1950er Jahren zuweisen. Nur der gute alte Ohrensessel scheint aus dem Nichts zu kommen.

Obwohl er eine klassische Sesselform darstellt, kann niemand sagen, wer der Erfinder dieses Sitzmöbels ist. Dabei hat der Ohrensessel moderne Designentwürfe wie das “Ei” von Designer Arne Jacobsen inspiriert. In Großbritannien brachte der Ohrensessel es sogar zu Weltruhm: als Winchester-Sessel aus hochwertigem Rindsleder. Heutzutage haben solche Klassiker einen beträchtlichen Sammlerwert.

Weniger Betuchte nehmen mit einem Nachbau für mehrere hundert Euro vorlieb. Echte Winchester- Ohrensessel können an die zweitausend Euro kosten. In einigen Luxus-Hotels finden sich solche Sessel in der Lounge. Man erkennt sie daran, dass sie immer besetzt sind. In britischen Clubs ist es Pflicht, lederne Ohrenseeel aufzustellen. Sie verströmen jene Gediegenheit, die britische Gentlemen schätzen.

Die Mehrheit der Deutschen kann dem britischen Stil nicht viel abgewinnen. Junge Menschen mögen lieber die modernen Ohrensessel in hellen Farben, statt das dunkle Leder der Winchester-Sessel. Außerdem möchten Fans eine bezahlbare Investition in Gemütlichkeit tätigen und kein unbezahlbares Museumsstück erwerben. In heutiger Zeit wechselt man die Sitzmöbel eher mal aus, als sie später zu vererben. Nur bezüglich der Bequemlichkeit eines Ohrensessels scheint es keine zwei Meinungen zu geben.

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